Herdenschutz trifft Tourismus: Austausch auf Arbeitsebene

Gemeinsam für den Erhalt der Kulturlandschaft im Südschwarzwald

Wie lässt sich Herdenschutz mit der Nutzung unserer Kulturlandschaft vereinbaren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Treffens am 26. September, zu dem das Herdenschutzprojekt Südschwarzwald gemeinsam mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und dem Umweltministerium Baden-Württemberg Touristiker:innen aus der Region eingeladen hatte. Ziel war ein Austausch, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wie Herdenschutzmaßnahmen und Tourismus in der Kulturlandschaft des Südschwarzwalds zusammengedacht und umgesetzt werden können.

Die Rückkehr des Wolfs nach Baden-Württemberg stellt Weidetierhaltende vor neue Herausforderungen. Zaunsysteme sind oftmals notwendige Maßnahmen, um Weidetiere zu schützen. Doch diese beeinträchtigen die Nutzung der Landschaft. Wanderwege kreuzen Zäune, Loipen verlaufen durch Weideflächen, touristische Infrastruktur wie Sitzbänke oder Aussichtspunkte werden tangiert. Gleichzeitig sind Erholungssuchende wichtige Kund:innen: Sie schätzen regionale Produkte, wie beispielsweise Schwarzwald Bio-Weiderinder, die auf Weiden gehalten werden.

Einblick und Austausch am Goldbachhof

Den Auftakt des Treffens bildete ein Besuch am Goldbachhof in Bernau. Rebecca Müller, Projektkoordinatorin des Herdenschutzprojekts, gab einen Überblick über die bisherigen Maßnahmen und die Ziele des Projekts. Am Hof wurde ein wolfsabweisender Festzaun installiert, der sowohl die Offenstallungen sichert als auch als Kälberweide dient. Auf dieser Weide, wo nun ein Festzaun installiert wurde, verläuft eine Langlaufloipe, die weiterhin nutzbar bleibt. In enger Abstimmung mit der Gemeinde Bernau und der Familie Kaiser wurden zwei Tore in die Zauntrasse integriert. Ein gelungenes Beispiel für gelebte Kooperation zwischen Landwirtschaft und Gemeinde.

Wolfsmonitoring und Perspektiven

Johanna Fritz von der FVA berichtete über das aktuelle Wolfsmonitoring in Baden-Württemberg und die Arbeit der AG Luchs und Wolf auf Landesebene. Sie betonte, dass das Ziel stets die Offenhaltung der Kulturlandschaft sei, eine Herausforderung, die nur gemeinsam mit allen Akteuren zu bewältigen ist.

Tourismus als Teil des Herdenschutzes

In einer offenen Diskussionsrunde wurden zahlreiche Aspekte beleuchtet: Die Sichtbarkeit von Schutzmaßnahmen, die Besucherlenkung über Premiumwanderwege, die Haftungsfrage, wenn Landnutzer beispielsweise Zäune berühren und dabei einen Stromschlag bekommen und die Notwendigkeit klarer und einheitlicher Kommunikation. Touristiker:innen wie die Hochschwarzwald Tourismus GmbH, die Schwarzwald Tourismus GmbH, die Tourist-Information Todtmoos, die Hotzenwald Tourismus GmbH, das Biosphärengebiet Schwarzwald, der Schwarzwaldverein und der Feldbergranger brachten ihre Perspektiven ein. Einigkeit herrschte darüber, dass Tourismus ein wichtiger Baustein des Herdenschutzes ist und dass es konkrete Ansprechpartner:innen braucht, die bei der Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen unterstützen und die Vernetzung zwischen Landwirtschaft und Tourismus fördern.

Aus Sicht der Touristiker:innen wurde zudem der Wunsch nach mehr Beratung und Begleitung im Bereich Herdenschutz geäußert. Gerade bei Schnittstellen zwischen touristischer Nutzung und landwirtschaftlicher Fläche ist der Bedarf einer vermittelnden, beratenden und unterstützenden Person hilfreich, mit dem Ziel Landwirt:innen zu entlasten und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Praxisbeispiel Blasiwald: Mobilzaun mit Ehrenamtlichen

Im Gasthaus Sonne in Blasiwald wurde ein weiteres Praxisbeispiel vorgestellt: Reinhold Götte, Landwirt, und Simon Zimmermann, Herdenschutzberater, berichteten vom Aufbau eines Mobilzaunsystems mit Unterstützung von Ehrenamtlichen. Die Lösung zeigt, wie freiwilliges Engagement sinnvoll eingebunden werden kann und wie Herdenschutzmaßnahmen auch in touristisch genutzten Gebieten praktikabel umgesetzt werden können. Die Touristiker:innen sind gerne bereit, diese Veranstaltungen über ihre Kanäle zu bewerben.

Kommunikation als Schlüssel

Ein zentrales Thema war die Kommunikation mit Besuchern. Die Beteiligten wünschen sich eine sachliche, einheitliche Kommunikationsstrategie, die gemeinsam mit überregionalen Organisationen und der Politik abgestimmt wird. Die Initiative „Bewild“ wurde als positives Beispiel genannt, das bereits von Touristiker:innen genutzt wird. Auch digitale Lösungen wurden diskutiert: Eine gemeinsame digitale Karte mit Schutzgebieten und Routenvorschlägen könnte helfen, Besucher:innen besser zu lenken.

Gemeinsame Botschaft und nächste Schritte

Der Schwarzwaldverein sprach sich für eine gemeinsame Botschaft aller Verantwortlichen aus. Ein Vorschlag von Markus Kaiser lautete: „Blogger:innen könnten gezielt für Aufklärung und Meinungsbildung eingesetzt werden.“

Bereits existierende Schilder aus dem Biosphärengebiet zeigen, wie einheitliche Verhaltensregeln für Weiden kommuniziert werden können. Ein Vorschlag lautete, Besucher:innen direkt einzubeziehen: z.B. „Wir brauchen deine Hilfe! Schließe bitte das Tor wieder, sonst kommt der Wolf rein und die Tiere raus.“

Markus Kaiser, Landwirt aus Bernau, betonte: „Es braucht Ansprechpartner:innen, die mit Touristiker:innen gemeinsam anschauen, welche Wege durch das Gebiet führen und wie Herdenschutz umgesetzt werden kann, ohne das Naturerlebnis zu stark einzuschränken.“

Ein gemeinsamer Termin über das Landratsamt zur Aufklärungsarbeit rund um das Thema Wolf wurde angeregt. Und: Tourismus soll künftig in der AG Luchs und Wolf mitgedacht werden. Ein wichtiger Schritt, um die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen.

Fazit: Gemeinsam für den Erhalt der Kulturlandschaft

Das Treffen zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Dialog zwischen Landwirtschaft und Tourismus ist. Alle Beteiligten eint das Ziel, die seit Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft des Südschwarzwalds zu erhalten. Durch Kooperation und Kommunikation kann der Weg in eine gemeinsame Zukunft gelingen.